Forderungen

Forderungen des Bündnis CSD Zwickau zum Straßenfest 2021

Vorwort:

CSD in Zwickau – Wir lieben Vielfalt

In anderen Regionen und Städten ist er längst fester Bestandteil im Jahreskalender: der Christopher-Street-Day kurz CSD. Egal ob in Leipzig, Dresden, Chemnitz oder auch Pirna – jährlich ist der CSD Höhepunkt der queer-Bewegung. In Zwickau jedoch fehlt ein solcher Termin bisher völlig. Wir wagen mal zu behaupten, dass das nicht daran liegt, dass im Landkreis Zwickau keine schwulen, lesbischen, trans- und intersexuellen Menschen leben. Im Gegenteil. Sie sind wie überall Teil unserer Gesellschaft, mal bunt und schrill, mal unauffällig – jede/r so, wie er/sie es mag. Warum also nicht mit einem CSD öffentlich in Erscheinung treten, die Vielfalt feiern und gleichzeitig für Information und Aufklärung sorgen. Wenn es erst einmal los geht und sich möglichst viele einbringen, bekommt ein CSD in Zwickau sein eigenes, persönliches Gesicht, welches zur Stadt und seinen Menschen passt.Mit einem CSD sollen queere Themen in den Mittelpunkt gestellt werden. Denn es sind Themen, die auch in der Gesellschaft und in gesellschaftlichen Debatten eine Rolle, oft eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Hier soll es um Information, Aufklärung und Wissensvermittlung gehen. Daneben sollen verschiedene Vereine und Beratungsstellen die Möglichkeit haben sich und ihre Arbeit vorzustellen, Positionen zu erläutern und vieles mehr. Umrahmt von kulturellen und kulinarischen Angeboten soll der CSD ein Tag für die ganze Familie werden, an dem auch der Spaß nicht zu kurz kommt.

 

Grundsätzliches:

Menschen werden angepöbelt, bedroht und angegriffen, weil die Täter:innen ihren Hass auf Lesben, Schwule, trans*- und intergeschlechtliche und queere Menschen ausleben. Eine demokratische und weltoffene Kommune darf das nicht hinnehmen! Wir stehen mit allen Menschen für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein, in der Diskriminierungen und Gewalt gegen Menschen nicht hingenommen werden.

Sexualität ist vielfältig und wie hat ein preußischer Kaiser einmal gesagt, jeder solle nach seiner Fasson leben dürfen. Sexualität ist das ureigenste Bedürfnis Glücklich zu sein. Geschlecht ist mehr als nur männlich und weiblich. Geschlecht ist vielfältig und facettenreich. An Geschlechterverhältnissen zeigt sich nicht zuletzt, wie demokratisch, wie egalitär und inklusiv eine Gesellschaft sich organisiert. Sie sind Teil von Regeln und Verabredungen, die eine Gesellschaft beschreiben und die eine Gesellschaft selbst definiert. Jede Gesellschaft entwickelt zu jeder Zeit Vorstellungen darüber, wie mit Unterschiedlichkeiten und Vielfalt von Menschen umgegangen wird und wie dieses Verständnis dann in politisches Handeln und die Entwicklung von Gesellschaft transferiert werden kann und soll. Geschlecht bildet dabei im Zusammenspiel mit Herkunft und vielen anderen gesellschaftlich konstruierten Ungleichheitsfaktoren ein hierarchisches Muster von Möglichkeiten, in dem Menschen im Heranwachsen und im Leben sich bewegen können und müssen. Vorstellungen, die eine Gesellschaft von Geschlechtern und Geschlechterverhältnissen entwickelt, sind kontinuierlich im Fluss und damit veränderbar. Sie sind aber immer bedeutsam für die Möglichkeiten, die Kinder und Jugendliche aller Geschlechter im Aufwachsen und Leben vorfinden.

Geschlechterfragen werden immer mehr zu Parametern für die Frage: „wie wollen wir als Gesellschaft zukünftig zusammenleben?“, weil Geschlechterverständnisse und Geschlechterverhältnisse zutiefst in die Menschen aber auch in das Zusammenleben als ordnende Kategorie eingeschrieben sind.

Geschlechterfragen können dabei niemals singulär betrachtet werden. Im Sinne einer intersektionalen Perspektive sind die Auswirkungen der Geschlechterzugehörigkeit oder Geschlechterzuweisung immer eng verbunden mit weiteren sozialen Zuweisungskategorien wie Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Religion, körperliche Verfassung, sozialer und rechtlicher Status und sexuelle Orientierung. Die Liste ließe sich erweitern. Mädchen*[1]sein als Alleinstellungsmerkmal eines Menschen gibt es nicht, denn jedes Mädchen* hat ein soziales und familiäres Umfeld, hat einen Rechtsstatus, ist gut versorgt oder nicht … Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche aller Geschlechter. Status und Entwicklungsmöglichkeiten von Heranwachsenden sind beeinflusst von ihrem Geschlecht in Kombination mit eben weiteren Faktoren, wie sie hier beschrieben sind. Daraus entstehen Chancen und Barrieren, die strukturell gemacht sind, weil Gesellschaft in allen sozialen Dimensionen binär, gegensätzlich und hierarchisch organisiert ist, z. B. männlich - weiblich, heterosexuell – homosexuell, reich – arm, gesund – krank, PoC[2] – weiß, gebildet – bildungsbenachteiligt, Stadt – Land. Patriarchale, kapitalistische undrassistische Vorstellungen und Politiken weisen alle Menschen aber insbesondere Kindern und Jugendlichen aller Geschlechter so unterschiedliche Plätze und Chancen ihrer Entwicklung zu. Zum CSD Zwickau hat sich ein Bündnis gefunden welches sich für die Sichtbarmachung der vielfältigen L(i)ebensformen einsetzen möchte. Bisher sind im Zwickauer Raum eben genau diese Gruppen unsichtbar. Es gibt nur rudimentäre Angebote für alle Zielgruppen und haben in der Regel keine Eruierung über die Bedarfslage.

In der Stadt und im Landkreis Zwickauer Land leben ca. 320.000 Menschen, wenn wir davon ausgehen das 5-7 % davon der LSBTTIQ*A+ Community anzurechnen sind, wären das ca. 16.000 bis 22.400 Menschen. Also eine Kleinstadt wie Werdau oder Crimmitschau wären voll mit queeren Menschen. Die Realität sieht aber anders aus. Viele Menschen leben vereinzelt und sind unsichtbar. Eine starke Community gibt es noch nicht in Zwickau und im ländlichen Raum. Mit diesem 1. CSD in Westsachsen setzen wir ein Zeichen für mehr Sichtbarkeit und für die unterschiedlichsten L(i)ebensweisen in Stadt und Land. Die Pandemie hat diese Lagen von queeren Menschen noch einmal verschärft. Viele Angebote konnten nicht mehr vorgehalten werden oder sind beschränkt in den digitalen Raum ausgelagert worden. Menschen die eben keine digitalen Möglichkeiten haben sind hiervon noch einmal besonders betroffen, da das ganze soziale Umfeld weggebrochen ist.

Forderungen:

  • Vorschule, Schule, Universitäten, Weiterbildung
  • Gesundheit, Alter, Pflege
  • Familie, Kinder und Jugendliche
  • Arbeitsmarkt
  • Prävention und Opferschutz
  • Selbstvertretung und Partizipation

Weiterführung des Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen

Die Staatsregierung von Sachsen hat sich durch Verabschiedung des Landesaktionsplanes[3]im Jahr 2017 für die Akzeptanz der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt bekannt. Der Freistaat Sachsen hat die Antidiskriminierungscharta im Jahr 2016 unterzeichnet und trägt damit zu einer offen Gesellschaft bei. Im März 2019 hat der Freistaat die Charta der Vielfalt durch den Ministerpräsidenten unterzeichnet. Ein weiterer Schritt zu einer offenen Gesellschaft die von Vielfalt und Wertschätzung profitiert.  Daher ist es umso selbstverständlicher, dass das dazugehörige Landesprogramm weiter fortgeschrieben und mit ausreichenden Mitteln im sächsischen Haushalt veranschlagt wird.

Die Lebensverhältnisse sind in den beschrieben Gruppen immer noch nicht gleichwertig und gleichberechtig vorhanden. Im Abstammungsrecht sind z.B. Fragen wie das Kindschafts-verhältnis von Menschen die den Geschlechtseintrag[4] “divers“ haben nicht geklärt. Im Abstammungsrecht wird die Ehe ungleich behandelt. So müssen auch gleichgeschlechtliche Ehepaare bei Geburt eines ehelichen Kindes die Anerkennung erstreiten, wobei anderen Ehen dies automatisch anerkannt wird.

Im Adoptionsrecht werden gleichgeschlechtliche Ehepaare nicht gleichwertig behandelt und müssen nacheinander eine Anerkennung durchführen. Diese Ungleichbehandlung schadet dem Kindeswohl und es besteht Rechtsunsicherheit für das Kind. Das kann nicht länger hingenommen werden. Die jetzige rechtliche Diskriminierung geht zu Lasten der Absicherung von Kindern in Regenbogenfamilien. Kein Kind darf jedoch aufgrund seiner Familienform benachteiligt werden.

Noch immer werden Kinder an Genitalien operiert um der zweigeschlechtlichen Norm Rechnung zu tragen, Das stellt einen tiefgreifenden Einschnitt in die Unverletzbarkeit des Körpers dar. Aus menschenrechtlicher Perspektive ist es erforderlich zu fragen, ob diese Eingriffe gerechtfertigt sind oder die gesellschaftliche Normen über den Kindeswohl stehen dürfen. Diese medizinischen Eingriffe sind in aller Regel nicht notwendig und zum andern aufschiebbar, dass das Kind selbst über seinen Körper entscheiden kann.

 

Wir fordern daher:

  • Ein sofortiges Verbot geschlechtsvereinheitlichender und /oder -zuweisender Operationen ohne medizinischer Notwendigkeit (lebenserhaltend) und ohne Zustimmung (informed consent) der betreffenden Person.
  • Gleiche Rechte für die Ehe, ob zweigeschlechtlich oder gleichgeschlechtlich. Entkopplung von Eherecht und Abstammungsrecht. Vielfältige Familienformen stärken. Familien stärken
  • Registrierung von Geschlecht[5] Die vielfältigen Lebensformen anerkennen.
  • Erweiterung des Art. 3 Abs. 3 GG[6]um die Merkmale Körper, Geschlechtsausdruck, sexuellen Orientierung, Heimat

 

Unterstützung und Aufklärung durch Bildung. Schulische Angebote zur Förderung und Entwicklung der ganz individuellen Persönlichkeiten.


Im LAP Vielfalt wird als Ziel benannt, das Kinder und Jugendliche altersgemäß mit den biologischen, ethischen, kulturellen und sozialen Tatsachen und Bezügen der Geschlechtlichkeit und der Sexualität vertraut gemacht werden sollen.

Durch die Fachtage, die sich im Freistaat dem Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt durchgeführt wurden, konnte ein hohes Wissensdefizit bei den Fachkräften in Schule, Hochschule, Universitätfestgestellt werden. Es bedarf als einer Bildungskampagne, welche das Wissen bei Fachkräften erhöht. Nur so kann erreicht werden das Kinder- und Jugendliche einen wertschätzenden Umgang innerhalb und außerhalb ihres sozialen Umfeldes aufbauen können.

Die Behandlung von Sexualität und die Fragen des Geschlechts sind im Unterricht positiv sichtbar zu machen. Eine Abwertung kann nicht Ziel einer aufgeklärten Gesellschaft sein. Zum anderen sind für die Vertrauenslehrer*innenFortbildungen verpflichtend in die Beratungslehrer*innenausbildung. (zweijährige Zusatzqualifikation), um Kinder an die professionelleEinrichtungen weiterleiten zu können. Damit könnenKindern und Jugendlichen gezielt gestärkt werden.

Daher fordern wir:

  • Geschlechtliche Vielfalt in Lehrplänen verankern und sichtbar machen. In Büchernzu ethischen und biologischen Fragen Geschlecht nicht mehr als binär darstellen.
  • Schaffung von Weiterbildungsangeboten zur geschlechtlichen Vielfalt in allen Schulformen verpflichtend für alle Lehrer:innen und in der Schulsozialarbeit
  • Sexualaufklärung und Schutz vor übertragbaren Krankheiten (STI) verpflichtend im Lehrplan verankern.

Der CSD Zwickau setzt sich dafür ein, dass Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechtes oder ihrer Geschlechtszugehörigkeit benachteiligt oder stereotypisiert werden!


In Artikel 1 Grundgesetz heißt es: „Alle Menschen sind gleich“. Die Konkretisierungen im Diskriminierungsverbot und Gleichstellungsgebot finden sich in Artikel 3 unserer Verfassung. Homosexuelle wurden als einzige Opfergruppe der Nationalsozialisten 1949 hier bewusst nicht aufgenommen. Lange hatten schwule Männer und lesbische Frauen im demokratischen Nachkriegsdeutschland darunter zu leiden. Diesen Missstand gilt es zu korrigieren! Deshalb muss Artikel 3 Absatz 3 um das Merkmal der geschlechtlichen und sexuellen Identität ergänzt werden, denn nur das Grundgesetz bietet den universellen und unveränderbaren Schutz.

Frauen* und Männer* werden immer noch viel zu oft auf Grund ihres Geschlechtes von der breiten Masse unterschiedlich behandelt und stereotypisiert. Diese Problematik lässt sich in allen Bereichen, besonders im Profi-Sportbereich, aufzeigen.

Am Beispiel Frauenfußball wird deutlich, dass sportliche Leistungen von Frauen weniger interessieren und weniger gefördert werden. Im Gegenzug dafür wird Männern Stärke in allen Bereichen unterstellt und in der Öffentlichkeit eine sensible und emotionale Seite abgesprochen. Die Abwertung und vorurteilsbesetzte oder sexualisierte Objektivierung – von Frauen, Männern und Trans*-Personen ist unvereinbar miteiner gleichgestellten und aufgeklärten Gesellschaft. Wir lehnen Sexismus in jeglicher Form und Weise ab.

Der CSD Zwickau steht für die Reformierung des Gesetz zur Änderung des Vornamens und Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen - Transsexuellengesetz.

Vor gerade einmal 10 Jahren wurde die vorgeschriebene Zwangssterilisation als Voraussetzung der rechtlichen Anerkennung von trans* und nichtbinären Personen abgeschafft. Doch noch immer besteht ein enges, gesetzliches und medizinisches Korsett für Menschen jenseits der zweigeschlechtlichen endo und cis Norm.

Noch immer werden jährlich bis zu 1700 inter*Personen zwischen 0 und 9 Jahren medizinisch nicht notwendigen Operationen unterzogen, um ihre Körper gewaltvoll zu „normalisieren“.

Noch immer müssen sich trans*, inter* und abinäre Personen erniedrigenden Gutachten und pathologisierenden Diagnosestellungen unterziehen.

Noch immer gelten Selbstbestimmung, freie Entfaltung der Persönlichkeit und Wahrung der Menschenwürde in der Bundesrepublik nur für Menschen, die cis, endo, weiß, non-disabled und finanziell gut abgesichert sind.

Noch immer streitet sich unsere Regierung darüber, ob wir überhaupt existieren, während wir eigentlich Zugang zu Bildung, Arbeit, sozialer Sicherheit und Gesundheit brauchen, statt paternalisierende Gesetze, die uns vielleicht als Ausnahmeregelung dulden.

 

Nach wie vor ist das sogenannte „Transsexuellengesetz“, als Mittel zur rechtlichen Anerkennung von trans* und nichtbinären Personen in Kraft, auch wenn seine Bestimmungen durch eine Vielzahl an Verfahren bereits mehrfach für verfassungswidrig erklärt wurde. Darüber hinaus gilt seit Beginn des Jahres eine neue Begutachtungsanleitung des Medizinischen Dienstes, die sich auf eklatanter Weise gegen aktuelle Erkenntnisse der medizinischen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften stellt und trans* und nichtbinäre Menschen in der gesundheitlichen Versorgung weiter entrechtet.

Hinzu kommt, dass die Änderung des Geschlechtseintrages für inter:Personen mit der Einführung des Paragraphen 45b PStG zwar möglich, aber gleichzeitig noch immer an eine erniedrigende Atteststellung gebunden ist.

Doch auch neben Fragen der Transition oder der rechtlichen Anerkennung unserer Geschlechter werden uns Zugänge zu den Ressourcen dieser Gesellschaft verwehrt und wir werden von medizinischer Versorgung ausgeschlossen.

So werden Trans:elterschaften nicht erst genommen und es werden Urkunden durch den Staat ausgestellt für Menschen die es rechtlich überhaupt nicht mehr gibt.
Letztlich sind es vor allem die Schwächsten und unsichtbarsten aus unseren Communities, die zusätzlich Rassismus, Antisemitismus, Klassismus und Ableismus erfahren die das am härtesten trifft: trans:Personen ohne gesicherten Aufenthaltstitel, trans:Personen im Knast, wohnungslose FLINTA, Sexarbeitende, arme und/oder geflüchtete trans*, inter* und nichtbinäre Personen erfahren nicht nur die volle Breitseite mehrheitsgesellschaftlicher Verachtung, sondern ihnen wird auch in unseren eigenen Communities noch immer zu oft der Zutritt verwehrt.

Laut Transsexuellengesetz (TSG) müssen in Deutschland Trans:Menschen sich für die juristische Änderung ihres Namens und/oder des Personenstandes von zwei unabhängigen Sachverständigen begutachten lassen. Diese kostenintensive Zwangsbegutachtung steht unter heftiger Kritik und wird von vielen als sehr unangenehm, äußerst belastend und entwürdigend empfunden, da die Offenlegung intimster Gefühlswelten – von traumatischen Erlebnissen bis hin zum gelebten Sexualverhalten – aufgenötigt wird. Die Vornamens- und Personenstandsänderung ist für viele Transpersonen von immenser Bedeutung. Sie brauchen sie, um Ausbildungen von vornherein mit dem richtigen Namen beginnen und Zeugnisse auf den richtigen Namen ausstellen lassen zu können. Sie brauchen sie, um ungehindert Zugang zu Arbeit oder Wohnung zu haben. Sie brauchen sie, um sich nicht ständig zwangsoutenzu müssen: Sei es im Umgang mit Postangestellten beim Abholen von Paketen und Ämtern, beim Zahlen mit der Kreditkarte oder bei Praxisbesuchen und bei jeder einzelnen anderen Gelegenheit, wo irgendeine Dokumentation auf ihren Namenverlangt wird.

Wir fordern:

  • Die Abschaffung des TSG.
  • Die umfassende Entpathologisierung jeglicher Verfahren zur Änderung des Geschlechtseintrags.
  • Die Abschaffung der Personenstandseintragung durch Geschlechtszuweisung bei Geburt.
  • Ein Recht aufs eigene Geschlecht mit gesetzlich verankerter Finanzierung für selbstgewählte Transitionsmaßnahmen.
  • Eine Abschaffung des Zwangsapparates aus Krankenkassen und Medizinischen Diensten.
  • Eine Entschädigung für die bis 2011 legalen Zwangssterilisationen und bis 2009 von Zwangsscheidungen von trans* und nichtbinären Personen.
  • Das vollen Recht auf Anerkennung der Elternschaften von Trans* und nichtbinären Personen.
  • Ein umfassendes Verbot aller medizinisch nicht-notwendige Operationen an inter:Personen im Kindesalter. Arzt:innen die in der Vergangenheit inter:Körper verstümmelt haben sind rechtlich zu belangen und ihnen ist die Approbation abzuerkennen.
  • Wir fordern eine Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes und einen uneingeschränkten Zugang zum deutschen Gesundheitssystem für Geflüchtete, sowie einen hürdenlosen Zugang zu Transitionsmaßnahmen für trans:Refugees.
  • Wir fordern die adäquate Unterbringung und gesundheitliche Versorgung von trans* und nichtbinären Personen in den deutschen Gefängnissen.
  • Wir fordern eine Öffnung der Frauenschutzhäuser. Wohnungsloseneinrichtungen und Drogenberatungsstellen für trans*, inter* und nichbinäre Personen oder die Zurverfügungstellung ausreichender Alternativangebote zu bestehenden Möglichkeiten um allen die soziale Sicherheit und die Unterstützung zukommen zu lassen, die auf sie angewiesen sind.
  • Wir fordern die Abschaffung des sogenannten Prostituiertenschutzgesetzes, eine umfassende Entkriminalisierung von Sexarbeit und ein Ende der gezielten polizeilichen Repressionen gegen trans:Sexarbeitende.
  • Wir fordern die verpflichtende Einführung von Sensibilisierung und Aufklärung zu geschlechtlicher Diversität in universitären Curricula und der therapeutischen Ausbildung.

 

Inter* Rechte

Formuliert von Intergeschlechtliche Menschen e.V.

  • Medizinische Eingriffe dürfen nur erfolgen, wenn einwilligungsfähige Menschen eine selbstbestimmte Entscheidung getroffen haben und sonst nicht! Endlich gibt es ein OP-Verbot an intergeschlechtlichen Kindern, endlich können sie in ihrem Körper aufwachsen.
  • Eine Änderung des Geschlechtseintrages ohne pathologisierende oder stigmatisierende Bescheinigungen muss jederzeit möglich ist.

 

Rechte queerer Geflüchteter

Formuliert von Queer Refugees Chemnitz

  • Wir fordern eine menschenwürdige Behandlung und Unterbringung von LSBTIQ+ Geflüchteten sowie eine bedarfsgerechte Finanzierung von Beratungs-, Wohn- und Hilfsangeboten.
  • Wir begrüßen, dass viele Städte, so auch in Leipzig, Dresden und Chemnitz, Projekte zur sicheren Unterbringung queerer Geflüchteter geschaffen haben. Diese müssen erhalten bleiben und ausgebaut werden. Gleichzeitig gilt es ebenso Strukturen im ländlichen Raum aufzubauen. Gleiches gilt für die finanzielle Unterstützung der Organisationen, die als Träger dieser Unterkünfte fungieren. Die Unterbringung muss dezentral erfolgen, da es bei einer separaten Unterbringung in einer Sammelunterkunft zum Zwangsouting und infolge dessen zu Diskriminierung kommen kann.
  • Verfolgung aufgrund von Homosexualität wird von der EU als Asylgrund anerkannt. Wegen ihrer Erfahrungen, aus Angst, Scham oder weil sie nicht wissen, dass sie es erwähnen dürfen, sprechen viele Geflüchtete in der Anhörung nicht darüber. Hinzu kommen grenzüberschreitende Fragen seitens des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Für die Anhörungen vor dem BAMF müssen kostenfreie, kompetente Sprachmittler*innen zur Verfügung stehen, die in LSBTIQ+ Themen geschult und sensibel sind. Asylsuchende dürfen nicht schon deshalb als unglaubwürdig eingestuft werden, weil sie bei der Glaubwürdigkeits-prüfung intime Aspekte ihres Lebens nicht offenbaren wollen. Entsprechende „Tests“ auf ihre sexuelle Orientierung lehnen wir ab.
  • Die medizinische, psychologische und psychosoziale Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus ist dauerhaft sicherzustellen. Menschen, die mit Geflüchteten arbeiten (in Unterkünften, Behörden usw.), müssen für die Belange von LSBTIQ sensibilisiert und geschult sein.
  • Ein Staat, in dem LSBTIQ+ verfolgt werden oder in der Homosexualität unter Strafe steht, kann kein sicheres Herkunftsland sein! Die Regelungen zu sogenannten sicheren Drittstaaten müssen im Hinblick auf Sicherheit für LSBTIQ+ und Frauen im Allgemeinen sowie im Hinblick auf eine notwendige medizinische Versorgung (z.B. von HIV-Positiven) überarbeitet werden.

 

Männer*, die Sex mit Männern* haben; Sexualität; HIV / AIDS

Formuliert von Aidshilfe Westsachsen


Forderung 1 – an die LSBTIQ*-Communities in Westsachsen:

Klischees, Stigmatisierungen und Vorurteile zu Sex zwischen Männern*, die Sex mit Männern* haben [M*SM*], gegenüber Sexworker:innen, Geflüchtete/Migrant*Innen, Menschen die Beeinträchtigungen /Behinderungen erfahren, Drogengebraucher:innen, HIVpositive und PrEP-User:nnen existieren auch in LSBTIQ*-Communities. Es finden Ausgrenzungen statt auf Grund von Aussehen, Alter, sexuellen Vorlieben, HIV oder anderen Statussymbolen. Dies alles darf keine Rolle in Westsachsen oder anderswo spielen!
Wir fordern mehr Akzeptanz in den LSBTIQ*-Communities/-Szenen untereinander und rufen dazu auf, stigmatisierendes Schubladendenken und ausgrenzendes Verhalten abzulegen, sich kritisch mit antiquierten sexualmoralischen Vorstellungen auseinanderzusetzen und M*SM* vorurteilsfrei in Bezug auf ihre Lebensweisen und sexuellen Handlungen zu begegnen! Vielfalt ist mehr als nur sexy! Vielfalt ist unsere Zukunft!

 

Forderung 2 – an die heteronormative Gesellschaft an Zwickau und in Westsachsen:

Nur ein offener und selbstbewusster Umgang mit der eigenen sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität kann zu adäquatem HIV/STI-Testverhalten führen, das sich wiederum auf dem Gebiet der sexuellen Gesundheit als ein Gewinn für das allgemeine Gesundheits-system auswirken kann.
Wir fordern die heteronormative Gesellschaft auf, andere sexuelle Orientierungen und Geschlecht in seiner Vielfalt anzuerkennen und einen wertschätzenden Umgang zu LSBTIQ*-Personen zu suchen. Wir rufen dazu auf, sich dem Thema queer* zu öffnen und die eigenen Einstelllungen zu reflektieren, Ängste abzubauen und den Fakt anzuerkennen, dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist. Dies führt zum Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung!

 

Forderung 3 – an die kommunale und landesweite Politik in Zwickau und Sachsen:

Nur durch umfassende Aufklärungsarbeit und Informationsweitergabe zu HIV/STI, hinreichende und niedrigschwellige Zugänge zu Beratungen, Testungen, Behandlungen, Safer Sex- und Safer Use-Materialien, können die Infektionszahlen weiter reduziert werden.
Wir fordern die Politik auf, sich für kostenfreie Testungen auf HIV/STI einzusetzen und Drogengebrauchende zu entkriminalisieren. In diesem Rahmen bitten wir darum, uns als Ort für Informationen und Beratungen zu sexueller Gesundheit und für Testungen und Behandlungen von HIV/STI in Westsachsen ideell und finanziell zu unterstützen!

 

Forderung 4 – für ein selbstverständlich positives Leben mit HIV in Zwickau und anderswo:

Alte Bilder zu HIV sind ein Stigmatisierungsgarant, das im Jahr 2021 nicht mehr zeitgemäß ist und auch nicht länger aufrechterhalten bleiben darf!
Wir fordern HIV-positive Menschen auf, mit der eigenen HIV-Infektion reflektiert auseinander zu setzen, die Scham und das gesellschaftliche Stigma abzustreifen und einem offenen und selbstverständlichen Umgang mit der eigenen HIV-Infektion anzugewöhnen. Nur so kann HIV-bezogenes Selbststigma, Stigmatisierung und Diskriminierung ein Ende finden und ein SELBSTVERSTÄNDLICH POSITIVES Leben mit HIV ohne Angst, ohne Scham und ohne Verstecken stattfinden!

 

Lesbische* Identität

Formuliert von Aidshilfe Westsachsen

 

Mehr Sichtbarkeit der vielfältigen lesbischen* Identität

  • Lesbisches* Leben und damit lesbische:Sichtbarkeit hervorheben, denn je unsichtbarer wir sind, desto weniger Geltung haben wir in der Mehrheitsgesellschaft. Wir wollen, dass Lesben in der Gesellschaft akzeptiert, stereotype Bilder von Lesben aufgelöst werden und die vielfältige lesbische Kultur in all ihren bunten Facetten authentisch gezeigt und zum Ausdruck gebracht wird.

 

Mehr lesbischer* Raum in der queeren Szene

  • Frauen* nehmt euch den Raum, seid sichtbar, vernetzt euch, zieht gemeinsam los, setzt ein Zeichen, steht für unsere Rechte ein und seid authentisch. Es gibt uns, wir wollen gesehen und gehört werden und uneingeschränkt akzeptiert werden.

 

Keine Gewalt gegen Lesben* und Frauen*

  • Wir stellen uns offen gegen physische und psychische Gewalt und fordern die ganze Gesellschaft dazu auf, hinzuschauen und bei der Wahrnehmung von Diskriminierung und Gewalt zu handeln. Solidarität zu zeigen ist ein wichtiges Mittel zur Gewaltprävention, deshalb sollten wir klare Signale senden, am Arbeitsplatz, auf der Straße, im privaten Umfeld und überall. Auch Beratungsstellen und Frauenhäuser sind wichtige Institutionen, die dringend Unterstützung benötigen.

 

Mehr Sichtbarkeit von Lesben* in Geschichte und Gegenwart

  • Aus Mangel an Quellen, weil Frauen* aufgrund ihrer Unterdrückung selten namentlich Urheberin* eines veröffentlichten Textes waren, kommen sie in der Geschichte kaum vor. Doch es gab und gibt sie, als Ärztinnen*, Schriftstellerinnen*, Sexualwissenschaftlerinnen*, Sportlerinnen*, Sängerinnen*, Schauspielerinnen*, Wissenschaftlerinnen*, Intellektuelle*, etc.

 

Bessere Berichterstattung über Lesben* in Presse und Journalismus

  • Die Presse soll ein reales und positives Bild von Lesben* vermitteln. In Film, Fernsehen und Radio gibt es zu wenig lesbische* Vorbilder.

 

  • Reformierung des Abstammungsrechts
  • Gleichberechtigung bei Adoption
  • Besser zugängliche Reproduktionsmedizin

 

 

Queere Bildung

Formuliert von Different People e.V.

  • Der Diskriminierung von queeren Menschen innerhalb unserer Gesellschaft muss durch eine aktive Aufklärungs- und Bildungspolitik entgegengewirkt werden. So fordern wir ein kontinuierliches Engagement des sächsischen Landtags, Informationen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, fächerübergreifend und altersgerecht in Lehrplänen und Unterrichtsmaterialien aufzunehmen. Gleichzeitig muss queere Bildung als Teil umfassender Menschenrechtsbildung in pädagogischen Aus- und Fortbildungsrichtlinien verankert werden, um vorurteils- und diversitätsbewusste Haltungen zu fördern. Unsere Lehrkräfte sind dafür verantwortlich, dass alle Schüler*innen, unabhängig ihrer sexuellen Orientierung und Geschlecht, in ihrer Entwicklung unterstützt und im Schulalltag nicht diskriminiert werden. Gerade homo- und trans*feindlichen Aussagen muss deutlicher widersprochen werden, damit die Ablehnung nicht in den Alltag übergreift und dort in gewalttätigen Handlungen eskaliert.
  • Dazu braucht es Lern- und Reflexionsräume, in der queere Geschichten erzählt und gehört werden können, um Jugendliche für Diskriminierung zu sensibilisieren. Wir fordern deshalb die nachhaltige Förderung von Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekten.
  • Das sächsische Schulgesetz legt fest, dass Schüler*innen befähigt werden sollen, ihre Beziehungen zu anderen Menschen nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Toleranz sowie der Gleichberechtigung der Geschlechter zu gestalten. Wir fordern, dass dieser Bildungsauftrag im schulischen Alltag konsequent umgesetzt wird, damit Schule zu einem sicheren Ort für alle wird.
  • Auch deshalb kann es nicht sein das der Kultusminister erst kürzlich einen Sparacherlass zum „gendern“ verfasst hat. Dieser ist zurückzunehmen das sich alle Schüler:innen frei in ihrer Persönlichkeit entwickeln können. Die Freiheit der Lehre muss gewährleistet werden.

 

Jugend

Formuliert von

 

Förderung von Vielfalt – Ausgrenzung bekämpfen!

  • Die Ablehnung nicht heteronormativer Lebensweisen ist trotz aller gesetzlichen Fortschritte weiterhin ein Problem in unserer Gesellschaft, dessen Bekämpfung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Initiativen hierzu auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene müssen in Gang gesetzt, fortgeführt und auch in Zukunft finanziell angemessen ausgestattet werden. Aber nicht nur der Staat, sondern alle gesellschaftlichen Institutionen – Stiftungen, Unternehmen, Schulen, Medien, Verbände usw. – müssen sich daran beteiligen und die Akzeptanz aktiv fördern. Insbesondere junge queere Menschen brauchen während der nach wie vor schwierigen Phase des Coming-Outs Unterstützung durch öffentliche Einrichtungen. Diese Vereine, Institutionen und Träger benötigen eine solide finanzielle Grundlage, um ihre Aufgaben in vollem Umfang erfüllen zu können.

 

Implementierung von queeren Themen in sozialen Ausbildungsberufen und Studiengängen als Pflichtmodul

  • Die Mehrzahl der angehenden Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit, Lehrer:innen, Erzieher:innen, etc. erfahren in ihren Ausbildungs- oder Studienjahren kaum etwas zu queeren Lebensweisen. Vielfalt und queere Identitäten müssen fest im Curriculum sozialer Berufe verankert werden. Die Konzepte der Kinder- und Jugendhilfe, Kitas, etc. sind weitestgehend binär-heteronormativ ausgelegt. Fachkräfte müssen dazu befähigt werden, auch queere Lebensweisen in Konzepten und in der Praxis mitzudenken.

 

 

Regenbogenfamilien

 

Trotz der Einführung der „Ehe für alle“ besteht noch Nachholbedarf im Familienrecht.

  • Für Kinder, die in einer heterosexuellen Ehe geboren werden, regelt das Bürgerliche Gesetzbuch die Elternschaft bzw. die Vaterschaft von Kindern eindeutig. Das BGB legt fest, dass der Vater eines Kindes ist, wer mit der Mutter verheiratet ist; auch wenn die Ehefrau zum Beispiel durch eine künstliche Befruchtung mit fremder DNA schwanger geworden ist. Für Kinder in lesbischen Ehen gelten diese Regelungen nicht. In lesbischen Ehen müssen nicht biologische Mütter eine Stiefkindadoption durchführen, um das Sorgerecht für ihr eigenes soziales Kind zu bekommen und dabei einen teilweise erniedrigenden Prozess auf sich nehmen.

 

Diese Ungleichbehandlung ist eine strukturelle Diskriminierung per Gesetz und muss beseitigt werden.

  • Außerdem müssen zusätzlich Regelungen geschaffen werden um mehr als zwei Personen gleichzeitig die Elternschaft zu ermöglichen. Die rechtlichen Belange von (queeren) Patchwork Familien und Mehrelternschaft ist gesetzlich nicht anerkannt und geregelt. Es werden immer nur zwei (meist die biologischen) Elternteile eingetragen. Das bildet nicht die soziale Situation von Familien in Deutschland ab.

 

 

Ältere LSBTIQ

Formuliert vom Andersraum e.V.

Status in der Gesellschaft
Sichtbarkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft herstellen
Offenheit für die ältere LSBTIQ-Community schaffen
Berücksichtigung in Politik und politischen Entscheidungen einfordern
Wertschätzung für queeres Leben im Alter entwickeln
Einbeziehung in gesellschaftliches Leben organisieren

Leben in Stadt und Land
Vernetzung ermöglichen
Kulturelle – und Bildungsbedürfnisse berücksichtigen
Ältere LSBTIQ besonders bei Mobilitätsfragen berücksichtigen
Spezifische kulturelle Angebote anbieten

Gesundheit
Spezifische Fragen der Gesundheit identifizieren
Austausch in der queeren Community herstellen
Unterstützungsangebote organisieren
Queersensible Angebote entwickeln
Menschen mit Beeinträchtigungen berücksichtigen

Liebe
Liebe und Sexualität thematisieren und enttabuisieren
Plattformen für Begegnung schaffen
Menschen mit Beeinträchtigungen ansprechen

Freizeit
Gruppen und Vernetzung anbietenKulturelle Aktionen anbieten
Angebote für Sport und Bewegung sicherstellen
Körperliche Beeinträchtigung berücksichten

Wohnen
Gemeinschaftliches Wohnen entwickeln
Unterstützungsangebote sicherstellen
Plattformen für gemeinsames Wohnen (WG-Suche) anbieten
Körperliche Beeinträchtigung berücksichten

Pflege
Queersensible Pflegeeinrichten bzw. -angebote entwickeln
Qualifizierung für Pflegekräfte anbieten
Gegenseitige Unterstützungsmöglichkeiten schaffen
Gemeinsames Wohnen für häusliche Pflege anbieten
Körperliche Beeinträchtigung berücksichten

Sterben
Kliniken und Hospize für LSBTIQ-Menschen sensibilisieren
Spezifischen Angebote der Sterbebegleitung schaffen
Trauer- und Bestattungsbegleitung berücksichtige

 

 

Gleichbehandlung von Menschen in der Sexarbeit

Formuliert von Phoenix e.V.

Die Ungleichbehandlung der Menschen in der Sexarbeit mit anderen Erwerbstätigen sorgt weiterhin für Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung aller Sexarbeiter*innen. Das Prostitutionsgesetz von 2002 war ein Schritt in die richtige Richtung. Seitdem ist Sexarbeit nicht mehr sittenwidrig und der Lohn einer erbrachten Dienstleistung kann eingeklagt werden. Aber die Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit fehlt trotzdem. Das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 allerdings führt zu einer weiteren Stigmatisierung von Sexarbeiter*innen, da sie sich einem entmündigenden Anmeldeverfahren unterziehen müssen und einen Ausweis mit sich führen, der zeigt, dass sie der Sexarbeit nachgehen. Wer entscheidet, den Prostituiertenausweis nicht zu beantragen und sexuelle Dienstleistungen anbietet, hat mit Bußgeldern und Kriminalisierung zu rechnen. Dies hat nichts mit sozialer und rechtlicher Gleichstellung zu tun. Es führt auf keinen Fall zur Wertschätzung, Akzeptanz und Anerkennung dieser Berufsgruppe, obgleich in Deutschland das Recht auf freie Berufswahl besteht und somit auch Menschen in der Sexarbeit dieses Recht zusteht. Um die Gleichstellung von Sexarbeit mit anderen Erwerbstätigkeiten  zu erreichen, braucht es einerseits Aufklärung in allen Bevölkerungsschichten, um Entstigmatisierung und Antidiskriminierung voran zu treiben.  Andererseits zur Entkriminalisierung braucht es Nachbesserung von gesetzlichen Rahmenbedingungen. Des Weiteren sind unsachliche und emotionsgeladene  Debatten über ein Sexkaufverbot nicht förderlich für den Abbau von Diskriminierung und Ausgrenzung. Gerade die Coronakrise hat gezeigt, dass Sexarbeit von der Politik oft anders behandelt wird. In vielen Bundesländern mussten Sexarbeiter*innen erst durch Klagen die Öffnungen ihrer Arbeitsorte erstreiten. Seit November 2020 ist Sexarbeit wieder verboten. Sexarbeit steht als fast einzige Erwerbstätigkeit an letzter Stelle der geplanten Lockerungen.

 

  • Wir fordern die Entkriminalisierung der Sexarbeit und Entstigmatisierung der Sexarbeiter*innen.
  • Wir fordern die rechtliche und soziale Gleichstellung von Sexarbeitenden mit anderen Erwerbstätigen.
  • Wir fordern die dauerhafte Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter*innen.
  • Wir fordern den Ausbau der Gesundheitsversorgung für Menschen in der Sexarbeit.
  • Wir fordern eine Gleichbehandlung der Sexarbeit mit anderen körpernahen Dienstleistungen in den Corona Verordnungen.

 

 

 

 

[1]             der Asterisk * für alle verwendet, d.h. geschlechtliche Personenbezeichnungen sind mit * gekennzeichnet (z. B. Mädchen*, Jungen*, Kolleg*innen).  Damit soll ausgedrückt werden, dass es keine Unterscheidung zwischen Mädchen und Mädchen* oder Jungen* und Jungen und damit zwischen unterschiedlichen Variationen von Mädchen*sein und Junge*sein gibt, sondern dass alle, die sich dem jeweiligen Geschlecht zugehörig fühlen, gleichwertig auch zu diesem Geschlecht gehören.Damit wird darauf verwiesen, dass es ein Kontinuum vonGeschlechtern gibt und dass auch Mädchen*- oder Junge*sein geschlechtlich vielfältig ist. Der Asterisk wird aktuell verwandt, um auf die Vielfalt von Geschlechtern aufmerksam zu machen.Perspektivisch ist zu hoffen, dass es den * nicht mehr braucht, weil diese Kennzeichnung immer auch Menschengruppen sprachlich als besonders kennzeichnet und damit ausgrenzt

[2]             „PoCist eine internationale Selbstbezeichnung von/für Menschen mit Rassismuserfahrungen. Der Begriff markiert eine politische gesellschaftliche Position und versteht sich als emanzipatorisch und solidarisch. Er positioniert sich gegen Spaltungsversuche durch Rassismus und Kulturalisierung sowie gegen diskriminierende Fremdbezeichnungen durch die Weiße Mehrheitsgesellschaft. Die PoC-Bewegung ist ein Bündniskonzept von Menschen/Communitys mit verschiedenen Selbstverortungen, z.B. Schwarze Deutsche, Sinti, Roma, Arabisch-Deutsche.“ (https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/juan-faecher.pdf)

[3]                 https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/29799

[4]                 „Gesetz zur Änderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben“vom 17.12.2018 (BGBl. I S. 2573).

[5]                 Alternative im Beschluss der BVerfG vom 10.10.2017 (Bverfg. B1R 2019/17)

[6]                 https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html  ,zuletzt aufgerufen am 29.09.2021,13:15:26 Uhr